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Ratgeber Übergewicht

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Übergewicht
Entstehung von Übergewicht

Ist die Energiebilanz nicht ausgeglichen, weil dem Körper mehr Energie (Kalorien) zugeführt wird als er verbraucht, kann es zur Entstehung von Übergewicht kommen. Dieses Übergewicht wird als primäres Übergewicht bezeichnet. Es gibt auch hormonelle Störungen, die Übergewicht begünstigen können. Das Sättigungsgefühl und die genetische Veranlagung sind nicht bei allen Menschen gleich. Auch die psychische Verfassung des betroffenen Menschen spielt eine Rolle. Trauer, Depression, Angst und andere psychische Störungen können zu sog. Essattacken führen. Ebenso können bestimmte Medikamente ein Hungergefühl auslösen oder das Einlagern von Wasser verursachen. Falsche Ernährung und zu wenig Bewegung sind die häufigsten Ursachen für Übergewicht.

Entstehung von Übergewicht

Die Entstehung von Übergewicht ist in den meisten Fällen auf eine positive Energiebilanz zurückzuführen. Die Menge der täglich aufgenommenen Kalorien übersteigt hierbei die täglich verbrauchte Energie. Wenn dies über einen längeren Zeitraum geschieht, kommt es zur Entstehung von Übergewicht. Allerdings spielen oft weitere Faktoren bei der Entstehung von Übergewicht und Adipositas eine Rolle.

Die Entstehung von primärem und sekundärem Übergewicht

Man unterscheidet primäres und sekundäres Übergewicht, je nach Ursache.

  • Zur Entstehung von primärem Übergewicht kommt es, wenn die Energie- bzw. Kalorienzufuhr größer ist als der Energie- bzw. Kalorienverbrauch. Meist wird hier viel Fett konsumiert bei wenig Bewegung.
  • Die Entstehung des sekundären Übergewichts geht auf einen angeborenen oder erworbenen Defekt im Bereich der Hormone zurück. Dies ist z. B. beim Prader-Willi-Syndrom der Fall.

Das Sättigungsgefühl bei der Entstehung von Übergewicht

Das Gehirn ist bei der Entstehung von Übergewicht oft in höherem Maße beteiligt, als es vielen bewusst ist: Im Gehirn wird der Energiestoffwechsel gesteuert. Hier werden Nährstoffe an Muskeln, Gewebe und Organe verteilt. Auch an den eigenen Bedarf „denkt“ das Gehirn. Hier wird das eindeutige Signal zum Essen, nämlich das Hunger- bzw. Appetitgefühl, produziert. Es gibt im Gehirn ein Sättigungszentrum und ein Hungerzentrum, die das jeweilige Gefühl herstellen. Beide sind nie gleichzeitig aktiv. Der Zusammenhang zwischen Gehirn, Nerven und Botenstoffen funktioniert normalerweise so reibungslos, dass der Energiestoffwechsel ausgeglichen bleibt. Aber dies ist nicht immer der Fall. Das fein abgestimmte limbische System, das Gefühlszentrum im Gehirn, ist bei manchen Menschen gestört und kann so die Entstehung von Übergewicht begünstigen.

Die Veranlagung bei der Entstehung von Übergewicht

Wenn Übergewicht in Familien gehäuft auftritt, liegt dies nicht nur an gemeinsamem fehlerhaften Ernährungsverhalten, sondern kann auch eine genetische Komponente haben. Entscheidend hierfür ist der sogenannte Grundumsatz. Der Grundumsatz ist die Zahl von Kalorien, die der Mensch im Ruhezustand verbrennt. Die Höhe dieses Grundumsatzes ist u. a. genetisch bedingt. Wenn ein Mensch einen niedrigen Grundumsatz hat, kommt es mit größerer Wahrscheinlichkeit zur Entstehung von Übergewicht. Der Grundumsatz kann mit Sport gesteigert werden.

Weitere Faktoren bei der Entstehung von Übergewicht

  • Eine der häufigsten Ursachen für die Entstehung von Übergewicht ist Bewegungsmangel.
  • Hormonpräparate (z. B. Antibabypille)
  • Medikamente (z. B. Neuroleptika)
  • Störungen hormonproduzierender Organe (z. B. Nebenniere oder Schilddrüse)
  • Trauer, Angst, Frustration, psychische Störungen, Depression
  • Wenn der Magen gefüllt ist, sendet der Magen Signale an das Gehirn. Dieser Prozess kann gestört sein.

Fedor Singer

 

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Diagnose Übergewicht

Die Diagnose von Übergewicht und Adipositas geschieht über die Berechnung des sogenannten Body-Mass-Index und die Unterscheidung von zwei möglichen Mustern der Fettverteilung: androider Typ (Apfelform) oder gynoider Typ (Birnenform). Wenn Sie genau nachrechnen möchten, zu welchem Typ Sie gehören, messen Sie Ihren Bauchumfang in der Taille und den Umfang Ihrer Hüfte. Anschließend teilen Sie den Bauchumfang durch den Umfang der Hüfte. Bei einem Wert von unter 0,8 sind Sie der androide Typ. Liegt der Wert über 1,0, spricht dies eher für den gynoiden Typ. Dies ist wichtig, weil Menschen mit androidem Typ anfälliger sind für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Frauen sollten einen Bauchumfang haben, der nicht über 88 Zentimetern liegt. Bei Männern ist die Höchstgrenze 102 Zentimeter.

Therapie Übergewicht

Zur Therapie von Übergewicht sollte eine Gewichtsreduktion angestrebt werden, wobei eine langsame Gewichtsreduktion sinnvoller ist als eine schnelle. Bei zu starker Drosselung der Kalorienzufuhr reduziert der Körper den Energiebedarf und lernt, mit weniger auszukommen. Außerdem kann eine allzu schnelle Gewichtsreduktion einen abfallenden Blutdruck, Müdigkeit, Mangel an Belastbarkeit und Schwindel nach sich ziehen.

Eine ärztliche Überwachung des Abnehmens ist ratsam. Dies gilt vor allem für Patienten mit Störungen im Essverhalten oder mit anderen Erkrankungen. Ergänzen Sie jede Ernährungsumstellung mit ausreichend Bewegung. Als leichtes Ausdauertraining eignen sich vor allem Schwimmen, Radfahren, Jogging, Wandern, Skilanglauf und Nordicwalking.

Mit Übergewicht wird ein Mehr an Körperfett bezeichnet. Meist ist es etwas schwierig und langwierig, das erhöhte Körperfett wieder loszuwerden. Wer schon einmal versucht hat, seine überschüssigen Pfunde durch Diät oder Sport zu verlieren, weiß, wie schwierig das ist. Dabei ist es wichtig, sich seinem Normalgewicht zu nähern, weil Übergewicht zahlreiche Krankheiten nach sich ziehen kann. Diese Krankheiten können z. B. das Herz-Kreislaufsystem betreffen. Die gesundheitlichen Risiken von Übergewicht und Adipositas werden häufig unterschätzt. Übergewicht führt oft zu körperlichen Beschwerden, kann aber auch zu einer Belastung für die Psyche werden. Die Zahl der übergewichtigen und adipösen Menschen ist in den Industrienationen steigend. Auch junge Menschen und Kinder sind vermehrt betroffen.